Wir Ladiner

Wer sind diese Ladiner? Wir werden es euch in einer ehrlichen Art und Weise erzählen.

Leider hat sich die Situation auch nach einem Jahr keinesfalls verändert. Heute wie vor einem Jahr sind wir in unseren vier Wänden nahezu eingesperrt. Seit Monaten ist von nichts anderes mehr die Rede: Coronavirus. Habt ihr auch die Nase voll, jedesmal über das Selbe zu diskutieren?
Es gibt doch so viele interessante Themen, über die man reden könnte.
Genau das werden wir heute tun: wir erzählen dir von uns, von uns LADINER. Wie wir so ticken, über unsere Gewohnheiten, Ecken und Kanten, über unsere Bräuche, Traditionen und über unsere besondere Sprache.
Na, Lust? Also los, lass uns starten!

Wir beginnen damit dir von der Herkunft unserer Sprache zu erzählen. Ja genau, du hast richtig gelesen: es ist eine Sprache und kein Dialekt. Wir Ladiner sind sehr stolz darauf und nehmen es dir fast übel, wenn du Ladinisch als Dialekt bezeichnest. 😉

Ladinisch ist eine rätoromanische Sprache, stammend von der selben Familie wie Italienisch, Französisch oder Spanisch. Sie entfaltet sich im ersten Jahrhundert n.C. aus der Begegnung zwischen dem Latein der römischen Eroberer und den einheimischen Sprachen der rätischen und keltischen Stämme. Die zwei Sprachen haben sich vermischt, „et voilà“, die ladinische Sprache ist entstanden.
Selbstverständlich war die Sprache damals etwas anders als jene heutzutage, aber eine „lebende“ Sprache entwickelt sich ständig weiter. Das Interessante daran: die ladinische Sprache wurde dank ihrer Lage beibehalten. Oder besser gesagt: die engen Täler, oft von Bergen umgeben, erschwerten die Fortbewegung. Es hab so gut wie keine Möglichkeit, sich mit anderen Bevölkerungen und Kulturen zu vermischen.

Die ladinische Flagge.

Es gibt ca. 30.000 Ladiner, die sich auf 5 Tälern rund um die Sellagruppe verteilen (Gadertal, Grödnertal, Fassatal, Livinallongo, Ampezzo).

Jedes Tal hat sein eigenes Idiom. Manchmal können Wörter von einem Tal zum anderen völlig unterschiedlich sein, aber unter Ladinern versteht man sich trotzdem. 😉
Das Ladinische wurde auch in der Schweiz im Kanton „Grijuns“ und im Friaul beibehalten.

Oft wird uns die Frage gestellt, ob wir untereinander Ladinisch sprechen. Ja klar! Mit der Familie und unter Freunden, bei der Arbeit und wo auch immer es uns möglich ist. Wir sprechen, denken und träumen auf Ladinisch.
In der Schule ist es etwas anders, da wir ein gleichberechtigtes System haben, d.h. die Hälfte des Unterrichts findet auf Italienisch und die andere Hälfte auf Deutsch statt. Ladinisch wird als Fach angesehen und wird zwei Stunden pro Woche unterrichtet.

Weißt du, was uns Ladinern am meisten Spaß macht? Den Leuten zuzuhören, wenn sie über uns lästern und davon überzeugt sind, dass wir sie nicht verstehen. Dann fangen wir an, auf Italienisch oder Deutsch zu sprechen. Spätestens dann wird ihnen klar, dass wir jedes Wort verstanden haben. Das ist ein Spaß!

Aber wie sind die Ladiner eigentlich?

Nun, wir sind ein eher introvertiertes und distanziertes Volk. Unserer Meinung nach, haben wir uns im Laufe der Zeit schon etwas verbessert. Aber im Allgemeinen sind wir zurückhaltend und zeigen nur sehr selten Gefühle. Das heißt aber nicht, dass wir nicht nett, freundlich, liebevoll und lustig sein können.
Früher waren wir Bauern, heute sind wir Hüttenwirte, Hoteliers, Schneekatzen-Fahrer, Liftangestellte, Handwerker und so weiter und so fort. Seit jeher sind wir ein Arbeitervolk.
Wir wachsen mehrsprachig auf: wir sprechen Ladinisch, Italienisch, Deutsch und die meisten von uns auch Englisch. Wir können viele Sprachen, aber leider keine zu 100% und wenn Du aufmerksam zuhörst, wirst Du manchmal seltsame Wörter bemerken, die Du wahrscheinlich noch nie gehört hast. Nun, es wird eines dieser „ladinisierten“ Wörter sein, oft bringen wir unseren Wortschatz etwas durcheinander. 😅
Die Berge und die Natur liegen uns am Herzen und wir sind sehr Heimatverbunden.

Wir betrachten uns nicht immer als Italiener, (ganz sicher nicht aus Bosheit), aber einfach weil wir uns etwas anders fühlen, da wir uns in unseren Gewohnheiten, Traditionen, Kulturen und natürlich in unserer Sprache unterscheiden. Österreicher sind wir auch nicht, einfach „nur“ Ladiner.

Knödel, „Tutres“ (frittierte Teigtaschen, gefüllt mit Spinat oder Sauerkraut), „Cajincì arestis“ (frittierte Kartoffel-Krapfen gefüllt mit Spinat oder Mohn ), „Cajincì t’ega“ (Schlutzkrapfen) sind unsere Lieblingsspeisen. Kurz gesagt, die typische ladinische Hausmannskost!
Natürlich lieben wir auch Pizza, Spaghetti und Wienerschnitzel. 😋
Na, hast du Lust bekommen eine ladinische Speise zu kosten? Kein Problem, hier findest du das Video und Rezept um „Cajincí arestis“ nachzukochen. Sag uns Bescheid, wie sie dir geschmeckt haben, wir sind neugierig!
Keine Panik, sollte etwas schief gegangen sein. Mit unserem Paket „Der Geschmack der Natur“ geben wir dir die Möglichkeit ladinische Köstlichkeiten zu genießen und bringen dir bei sie nachzukochen.

Außerdem spielen wir gerne Karten, genauer gesagt „Batadù„, aber auch „Mao Mao“, zwei Südtiroler Spiele, die wir hier nicht erklären werden, ansonsten würden wir nie fertig werden.

Bei Dorffesten (Kirchtag) und Bauernbällen tragen wir gerne Dirndl oder Lederhose. Zu religiösen Anlässen tragen wir unsere Tracht.
Bei Dorffesten ist es Tradition und Brauch, „Crafuns“ zu machen, eine Art frittiertes Brot.
Zu Ostern holen die Männer bei den Mädchen welches sie umwerben möchten. Ostereier ab. Die Anzahl der geschenkten Eier hat jeweils eine andere Bedeutung. Auch dies ist ein ladinischer Brauch. 😊

Das Dirndl

Naja, da gäbe es noch einiges über uns Ladiner zu erzählen, aber vielleicht langweilen wir dich? Wie wäre es, wenn wir dir bei deinem nächsten Urlaub in den Dolomiten mehr erzählen?

Wir freuen uns schon darauf! 😁

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